Archiv für August 2007

Das perfekte Notebook …

August 18, 2007

… und was das

Mein Zitat aus „Der perfekte Linux-PC„:

Ich träume – wie bestimmt so man anderer auch – schon seit einiger Zeit von einer neuen Computer-Ausstattung. Im Detail: Man kommt mit seinem Notebook (14”, mittlerweile Core 2 Duo, leicht, gute Akkuleistung, Bluetooth für externe Maus) nach Hause und legt es in die Docking-Station unterm Tisch. Ab dann übernimmt der digital angeschlossene 20” TFT, USB-Tastatur/-Mouse und die heimische Musikanlage. Bei Bedarf zum täglichen Backup wird dann noch kurz die externe Festplatte aktiviert.

Nun, 1. kostet so etwas eine Menge Geld (geschätzt 2000 €), welche ich nicht habe, 2. habe ich noch kein Notebook finden können, welches nicht irgendwelche Mängel hatte (schlechtes Display / Tastatur, kein Bluetooth etc.) und 3. hat X11 noch seine Probleme mit wechselnder Hardware-Peripherie (Xrandr soll aber darum erweitert werden).“

Nun … die Zeiten ändern sich. Die Einführung von Intel’s Santa-Rosa Plattform haben alle Notebook-Hersteller zum Anlass genommen, ihre Notebook-Reihen zu überarbeiten. Das habe ich zu würdigen gewusst und habe mich mal wieder umgesehen. Und bin fündig geworden: Dell’s Latitude D630 soll es sein.

Das D630 in meiner Konfiguration sieht so aus:
* 14.1 WXGA+ (1440 X 900)
* Core 2 Duo T7300 2,0 GHz FSB 800 Mhz, 4 MB L2-Cache
* Intel 965GM Chipsatz mit Intel GMA X3100 onboard Grafik
* 1024 MB 667MHz DDR2-SDRAM (1 x 1024MB)
* 80GB SATA Festplatte (5.400 U/Min)
* Intel 3945ABG WLan
* Dell 360 Bluetooth Card
* 9-Zellen Akku mit 85WHr

Desweiteren sind standardmäßig dabei:
* Robustes Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung (macht es etwas leichter, ist aber dennoch stabil)
* Multifunktionsschacht: Der DVD-Brenner lässt sich jederzeit entfernen und durch eine zweite Festplatte oder Akku ersetzen.
* Docking-Station Anschluss integriert
* Fingerabdruckscanner
* Smart-Card Leser
* 3 Jahre int. Vor-Ort-Service, Reaktion am nächsten Arbeitstag

Und das zu einem Preis von 1299,99 €.

Dazu ein paar Anmerkungen:
* Ich habe mich für eine 14.1 Zoll Notebook (anstatt eines 15.4 Zoll) entschieden, weil es leichter ist und das Display aufgrund der geringeren Bildschirmfläche weniger Strom zieht. Dennoch ist das 14.1 Zoll Display noch groß genug, um damit vernünftig zu arbeiten (13 Zoll und weniger sind mir zu wenig). Zu Hause werden ich eh einen externen Monitor anschließen.
* Der T7300 ist laut CPU-Benchmark sogar schneller als mein aktueller E6300. Der T7100(1,86 GHz) hätte mir auch voll gereicht, aber hat nur 2 MB L2-Cache. Da bin ich lieber auf Nummer sicher gegangen.
* Der 965GM Chipsatz bringt an sich kaum Vorteile gegenüber den alten 945 Chipsatz. Aber zumindestens ist die onbard Grafik etwas schneller geworden. Witzig ist, dass der Chipsatz mehr Strom verbraucht als der alte, aber durch die verbesserten Stromspar-Mechanismen insgesamt wieder beim gleichen Wert landet.
* Ich verzichte auf ein neue Draft-N WLan Modul, da es noch Jahre dauern wird, bis die Verbreitung an entsprechenden Access-Points da ist und die bestehende Bandbreite für Surfen eh ausreicht. Außerdem kosten das Intel-Modul 119€ mehr bei Dell.
* Bluetooth ist in der Version 2.0+EDR vorhanden. Bei einem anderen Notebook von Dell stand sogar, dass man dort mit diesem Modul auch das kommende 2.1 untersützen wird (wahrscheinlich durch ein Software-Update), was mich hoffen lässt, dass es hier gehen wird.
* Laut aktuelle c’t verbraucht das D830 (der 15.4 Zoll Pedant) nur 13,5 Watt unter Windows Vista. Damit müsste dieses Notebook aufgrund des kleineren Displays bei 13 Watt und weniger liegen. Auch dürfen die kommenden erweiterten Stromsparmaßnahmen im Kernel diesen Wert noch weiter schrumpfen lassen. Bei dem 9-Zellen Akku mit 85 Whr ergibt sich so einen Idle-Aufzeit von über 6h. Rekordverdächtig! Und ich habe immer noch die Option einen zweiten Akku in den Multifunktionsschacht zu stecken.
* Da Dell die Docking-Station nie verändert hat für die Latitude-Serie, sind davon haufenweiße im Umlauf und es gibt sie bei Ebay daher spottbillig. Und diesen Monat soll Xorg 7.3 mit Hotplug-Unterstützung veröffentlicht werden.
* Der Fingerabdruckscanner soll der gleiche sein wie beim Thinkpad, wofür es einen passenden Treiber schon gibt. Mal sehen wie das wird.
* 3 Jahre Service ist weit mehr als alle anderen Hersteller ohne Aufpreis geben. Und der Dell-Service ist einer der Besten.
* Wenn man nicht gerade eine Angebot von Dell nutzt (gab es nicht, weil das Notebook noch zu neu ist), sollte man telefonisch bestellen. Dort lässt sich der Preis noch etwas drücken.

Auf der Treiberseite gibt es wahrscheinlich wieder ein paar Probleme, weil die Hardware noch zu neu ist. Wahrscheinlich wird 3D noch nicht rund laufen und der neue iwlwifi WLan-Treiber ist auch noch nicht ganz fertig. Aber das ist OK, die Zeit wird es bringen. Worüber ich keine Informationen finden konnte, ist, welche Hardware-Sensoren verbaut wurden.

Ansonsten habe ich mir noch Dell’s Linux Support angeguckt. Auch wenn dieses Notebook noch nicht offiziell unterstützt wird (und ich ein nutzloses Windows kaufen musste), so tut Dell doch so einiges, damit ihre Rechner auch unter Linux funktionieren. So kann man z.B. das Bios auch unter Linux aktualisieren. Cool.

Warum Linux teure Software braucht …

August 15, 2007

… oder was hält Anwender von Linux ab.

Von Jahr zu Jahr wird darüber gemuckelt, ob dies das Jahr des Linux-Desktops ist. Aus guten Gründen, denn Linux macht an der Treiberfront große Fortschritte und die Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität steigt mit jedem neuem Release von Gnome, KDE usw. Die Qualität und Auswahl an Standard-Software bräuchte sich vor der kostenplichtigen Konkurrenz (wie man sie bei Windows kennt) nicht zu fürchten. Im Gegenteil.

In Zeiten, in denen Microsoft mit Windows Vista enttäuscht, sollte man doch meinen, dass solch ein Linux jetzt stark auftrumpft. Linux ist auch in der öffentlichen Presse stark vertreten, dennoch wechselt doch kaum jemand.

Die Frage nach den Gründen, ist deshalb angebracht. Dazu sollte man sich mögliche Anwendergruppen angucken, als da wären:

* die Internet-Surfer und Textschreiber. Sie nutzen das Web, Email, IM, speichern und bearbeiten Urlaubsfotos, hören Musik und sehen Filme.

* die Spieler. Zusätzlich zu den obigen Tätigkeiten spielen noch am PC.

* die professionellen Anwender. Sie arbeiten am PC und setzen dafür Spezialsoftware wie Matlab oder Photoshop ein.

* die Power-User. Sie interessieren sich für PCs, sowohl hardware- als auch softwareseitig. Sie machen alles mit ihren PC, weshalb ihr Anwendungsprofil sich aus den bisherigen Profilen zusammensetzt. Und Linux reizt, weil sie neue Sachen ausprobieren können.

Leider hat jede Gruppe so ihren eigenen Probleme, die sich von einem Wechsel abhalten:

* Für die Internet-Surfer etc. ist Linux nahezu perfekt aufgestellt, da man hier nur Standard-Software braucht, mit gerade der Linux punktet (s.o.). Leider fehlt hier aber der übliche Support, bekannt als die Nachbarschaftshilfe. Kaum ein Freund, Familienmitglied, Nachbar nutzt selber Linux, weshalb sie auch nicht helfen können. Und selbst wenn, wäre es nicht unbedingt einfach (siehe  hier). Es gibt Support, eben den guten und kostenlosen Support in Internet-Foren und Chats, aber dafür braucht man die nötige Kompetenz.

* Bei Spielern punktet ganz klar Windows, da die allermeisten Spiele für DirectX entwickelt werden, was Linux nur über Wine beherrscht. Native Spiele für OpenGL sind rar gesäht. Und die Anpassung von Wine an ein Windows-Spiel ist nicht trivial, abgesehen davon, dass Spiele nicht funktionieren, weil die Wine’s Nachbildung von Windows noch nicht so weit ist.

* Die professionellen Anwender sind auf ihre Spezail-Anwendungen angewiesen. Das mag Adobe Acrobat sein, um PDFs zu erstellen, Adobe Flash für die Flash-Produktion oder einfach Microsoft Office, weil dafür die 1001 VBA-Skipte geschrieben worden sind. Das diese Software Geld kostet, ist kein Problem, da die höhere Produktivität oder die Verfügbarkeit eines einmaliges Features mehr einbringt als die Software kostet.

Und viele dieser Softwareprodukte gibt es nicht für Linux. Es gibt Alternativen, die aber häufig nicht an den Funktionsumfang dieser Softwaregrößen heranreichen. So tritt Linux gegen Photoshop mit Gimp und Krita an, aber für viele Profis ist deren Funktionsumfang nicht ausreichend. MS Office kann man mittels Wine unter Linux zum Laufen bringen, aber das Risiko aufgrund von fehlenden Support wird kaum ein Unternehmen eingehen.

Bisher hat das geringe Interesse an Linux, die Hersteller davon abgehalten, ihre Software auf Linux zu portieren. Auch die fehlende Infrastruktur (z.B. Anbindung an den Paketmanager) erhöhte den Aufwand.

* Schlussendlich die Power-User. Es sind in der Regel sie, die am Ehesten zu Linux wechseln, da sie nicht mit allen Problemen der anderen Anwender zu kämpfen haben. Das Support-Problem der einfachen Internet-Surfer etc. haben sie nicht, weil sie den Umgang mit Internet-Foren kennen, ja sogar diese Art des Supports meistens bevorzugen. Auch können sie Spiele unter Wine zum Laufen bringen. Nur – ebenso wie die professionellen Anwender – leiden sie unter dem Nichtvorhandensein von Spezial-Software.

Fazit: nur einer dünnen Anwenderschicht – nämlich einem Teil der Power-User – ist es im Moment möglich, voll auf mit Linux zufrieden zu sein.

Aber der Weg zur Lösung der Probleme ist auch klar. Linux braucht mehr professionelle Software. Nämlich mit mehr Software, werden mehr Firmen und mehr Power-User zu Linux wechseln. Dies erhöht das Interesse an Linux, was zu mehr Software führt und mit den Power-Usern wird auch das Support-Problem der einfachen Anwender gelöst.

Und die Zeiten für den Absatz kostenpflichtiger, professioneller Software für Linux standen nie besser. Das Interesse ist da, plattformunabhängige Toolskits wie QT erleichtern die Programmierung und vor allem: man hat keine Konkurrenz.

Natürlich ist es auch gut, wenn es mehr professionelle OpenSource Software gibt, sogar besser. Aber ist nicht so einfach, wie es sich anhört, da man viele erfahrene Entwicklung braucht, um selbst so fortgeschrittene Software wie Gimp zu erstellen.

Auch Linux muss noch seinen Teil tun, um diese Entwicklung fördern. Z.B. muss man noch eine einheitliche API für die Paketmanager bereitstellen und implementieren (siehe hier), damit für die Hersteller der Aufwand für die einzelnen distributionsabhängigen Pakete enfällt und der Anwender von den Vorzüge der Paketmanager profitieren kann. Die ist zwar schon geplant, aber von einer Umsetzung ist weit und breit nichts zu sehen.

Linux „Wow“: Folge 2

August 14, 2007

Heute: Email-Adressen-Erkennung in Kmail

Betrachten wir das folgende Szenario:

"Aron findet auf einer Supportseite folgende Email-Adresse: ‘name at gmail dot com’. Mit auf seinem Windows-PC installierten Outlook Express verfasst er einen neue Email und fügt die kopierte Adresse ein. Dann ersetzt er das ‘at’ mit ‘@’, das ‘dot’ mit einem Punkt und löscht alle Leerzeichen. Danach schreibt er den Text der Email und versendet sie."

Nun das gleiche Szenario mit Linux/KDE:

"Aron findet auf einer Supportseite folgende Email-Adresse: ‘name at gmail dot com’. Mit auf seinem Linux-Laptop installierten Kmail verfasst er einen neue Email und fügt die kopierte Adresse ein. Kmail erkennt das Format der Email-Adresse und wandelt sie automatisch in die legitime Adresse um. Danach schreibt er den Text der Email und versendet sie."

Kleine, aber feines Feature. Hoffentlich generalisieren sie die Eingabe und Überprüfen von Email-Adressen, so dass sie in allen Programmen so toll funktioniert.

Linux „Wow“: Folge 1

August 8, 2007

Heute: Treiberinstallation

Betrachten wir das folgende Szenario:
„Aron kauft sich ein Zeichenbrett. Er schließt es an seinen Windows-Rechner an, nimmt die beigelegt CD und installiert den Treiber. Nach einem Neustart ist er fertig und kann loslegen.“

Nun das gleiche Szenario mit Linux:
„Aron kauft sich ein Zeichenbrett. Er schließt es an seinen Linux-Laptop powered by (K)Ubuntu an und nach ein paar Sekunden ist er fertig und kann loslegen.“

Da sich die meisten Treiber sich im Linux Kernel befinden, dieser vierteljährlich aktualisiert wird und alle großen Desktop-Distributionen die Treiber als Module bereitstellen, ist eine Treiberinstallation nicht notwendig. Udev erkennt die Hardware und lädt das Modul. Auch ein Neustart ist damit nicht notwendig. Als Nächstes erkennt Xorg (neu seit v7.3) das neue Zeigergerät und bindet es ein. Ich habe gelesen, dass die Entwicklung sogar dahin geht, dass ein Helferprogramm dem Benutzer vorschlägt, passende Software zu installieren (z.B. Sane etc. bei einem Scanner).

Das ist echtes „Out of the box“.