Wir haben einen Gewinner …

By arlsair

… oder warum es einen neuen Gentoo Nutzer gibt.

Pünktlich mit dem Erscheinen von KDE 4.1 haben ich auf den Rechner meiner Mutter Kubuntu 8.04 installiert und dann KDE 4.1 hinterhergeschoben. Die KDE 4.1 Pakete für 8.04 werden von einem Team aus Kubuntu Entwicklern bereitgestellt (PPAs, Overlays, Repositorien sind wohl die beste Innovation in der Paketverwaltung). Ging auch alles gut, allerdings ist der Zeitaufwand zur Installation  (ca. 1 Stunde) im Vergleich zum Konfigurieren und Anpassen wirklich zu vernachlässigen. Ich habe natürlich nur die offensichtlichten Dinge getan, so dass ich meiner Mutter in der Anfangszeit ständig ausfehlen musste, die Dinge nach ihrem Geschmack einzustellen.

Das größte Problem war die Schriftgröße. Von Anfang an, bemängelte sie, dass die Schrift zu klein sei. Also änderte ich die Schriftgröße in den Systemsettings. Dann sah so manches vielleicht etwas klobig aus (der Dejavu Schriftsatz sieht im Vergleich zu Arial bei größeren Schriften ziemlich fett aus; ich sollte wohl mal die Antialiasing Einstellungen checken), aber war sehr gut zu lesen. Bis auf Firefox. Da dies ein GTK-Programm ist, haben die KDE Einstellungen keinen Einfluss. Auftritt von gtk-engines-qt, welches aber auch so maches GUI-Widget im Browserfenster anpasst (so sind die Radio Buttons bei Google unterhalb des Eingabefelder grau auf weißem Hintergrund). Auch wollten die Firefox-Einstellungen zur Schriftgröße zuerst nicht so, wie ich wollte (später habe ich es dann hinbekommen). Deshalb habe ich meiner Mutter dann den Konqueror als Browser untergejubelt. Was sie ziemlich verwirrte, da sie nicht weiß, was ein Browser ist. Sie kennt nur das Internet. Schließlich war der korrekt eingestellte Firefox nicht zu gebrauchen, da das aufwendige Layout z.B. bei Reisebuchungsseiten wenig tolerant sind bezüglich der Schriftgröße. Der Text wird dann einfach abgeschnitten, verdeckt andere Elemente oder zerreist einfach das Layout, so dass wir die Schriftgröße wieder etwas herunterdrehen mussten (beim Firefox sieht es dann noch erträglicher aus, als beim Konqueror).

Übrigens war meine Mutter der Meinung, dass die Schrift bei Windows größer sei, weshalb die ganze Schriftproblematik zu Lasten von Linux ging. Als wir später dann mal das weiterhin parallel installiert Windows starteten, stellte sie fest, dass dem natürlich nicht so war.

Den Schlußpunkt setzte dann der nichtfunktionierende Drucker. Ich hatte bewusst den alten Lexmark GDI-Drucker (kein Treiber) durch einen HP LaserJet (diverse Treiber) ersetzt, allerdings sorgte ein Fehler in QT 4.4.0 dafür, dass keine QT / KDE Anwendung drucken konnte. Ein Update auf QT 4.4.1 behob bei mir (Gentoo) das Problem, aber auf der Kubuntu Seite tat sich nichts (ich habe allerdings auch nicht die Entwickler auf ein Update drauf angesprochen).

Da ich von Gentoo wusste, dass es das Problem behebt, und da ich auch von der Performance unter Kubuntu nicht so begeistert war (wie zu erwarten, hat ist Gentoo nicht allzu schneller; ein Sempron 2800 ist eben nicht mein Core2 Duo T7300), habe ich damit begonnen Gentoo zu installieren. Im Vergleich zu der 1 Stunde Installationszeit von Kubuntu war die Installationszeit von Gentoo mit mehren Tagen eine Ewigkeit (natürlich lief die Installation nur nebenbei und hat nur einen Bruchteil davon an meiner Zeit verbraucht). Neben dem Drucken ist es unter Gentoo auch einfacher, die ISDN Karte zum Laufen zu bringen.

Abschließend gibt es noch Probleme mit Windows Spielen. Meine Mutter versucht sich gerade an Bridge, wofür ich bisher noch kein Linux Spiel gefunden habe. Also muss Wine herhalten. Das eine Spiel lässt sich nicht installieren, aber spielen (ich brauchte nur die Daten von Windows zu kopieren). Allerdings werden Sonderzeichen (wie die Symbole für Kreuz, Herz etc.) nicht korrekt angezeigt. Das zeite Spiel lässt sich leider auch nicht installieren, so dass meine Mutter dafür Windows starten muss.

Insgesamt ist der Umstieg nicht besonders glatt verlaufen. Viele Kleinigkeiten verhageln die ansonsten – im Vergleich zu Windows – gute Benutzerfreundlichkeit. Allerdings gibt es auch ein paar Sonnenseiten: Kontact kommt gut an und meine Mutter hat damit begonnen, ihr Addressbuch zu aktualisieren und nutzt nun auch Funktionen wie Geburtstagserinnerungen.

Fazit: Meine Mutter bleibt bei Linux, allerdings kommt sie im Prinzip mit Linux ebenso wenig zurecht wie mit Windows, weil sie Bedienkonzepte im Allgemeinen nicht verstanden hat. Nur die Handvoll Programme, die sie nutzt, kann sie bedienen. Und die auch nur zum Teil. Alles andere muss ich ihr zeigen (häufig immer wieder) und die Administration ist eh meine Sache (hier hat Linux für mich allerdings Pluspunkte zu bieten).

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